Das Wichtigste vorweg
OpenAI schaltet für neue und bestehende Self-Serve-Kampagnen in ChatGPT Ads die „Creative Enhancements“ automatisch ein. Dann darf das System Überschriften und Beschreibungen umschreiben, Bilder anpassen, die Ziel-URL ändern und Texte übersetzen, ohne dass du jede Variante freigibst [1][2]. Die Hilfe nennt Donnerstag, den 29. Oktober 2026, die Mail an Werbetreibende Freitag, den 30. Oktober [1][2]. Wer Preise, Rechtstexte oder Markenstimme selbst kontrollieren will, sollte die Einstellung vor dem 29. Oktober prüfen.
01 / Die Änderung
Was OpenAI an deinen ChatGPT Ads ab Ende Oktober ändert.
ChatGPT Ads ist in Deutschland seit dem 31. August 2026 per Self-Serve über den Ads Manager buchbar [4]. Die Anzeigen erscheinen unter den Antworten von ChatGPT und bestehen aus Werbetreibendem, Favicon, Titel, Beschreibung, Landingpage und Bild [6]. Ausgespielt werden sie nur an Nutzer der Tarife Free und Go, Plus, Pro und Business bleiben werbefrei [4][6]. Laut OpenAI haben inzwischen über 100.000 Werbetreibende Kampagnen geschaltet, die Plattform ist in 89 Ländern verfügbar [5].
Neu ist eine Funktion, die OpenAI „Creative Enhancements“ nennt. Sie soll Anzeigen passender zum Gespräch und zu den Interessen der Nutzer machen und dir die Arbeit an mehreren Versionen abnehmen [1]. Als Grundlage dienen drei Dinge: der Kontext des Gesprächs oder die Interessen des Nutzers, deine bestehende Anzeige und Inhalte deiner Landingpage [1].
Ändern darf das System laut Hilfe vier Bereiche [1]:
- Überschriften und Beschreibungen: neue oder überarbeitete Texte, die dein Angebot mit dem Gespräch verbinden.
- Sprache: Der Anzeigentext kann in eine andere Sprache übersetzt werden.
- Bilder: Bilder können auf das Anzeigenformat zugeschnitten werden.
- Ziel-URLs: Die Ziel-URL kann „optimiert“ werden, sodass Nutzer auf einer anderen, passenden Seite deiner Website landen.
Die Varianten können vorab vorbereitet oder in Echtzeit aus dem Gespräch erzeugt werden. Ist die Funktion aktiv, laufen sie automatisch, ohne dass du jede Version prüfen oder freigeben musst [1]. Eine Vorschau aller Varianten gibt es nicht [1]. OpenAI zeigt in der Hilfe ein Beispiel: Aus „Fresh groceries delivered“ wird im Gespräch über schnelle Abendessen „Groceries for quick weeknight dinners“ [1].
Zum Termin gibt es zwei Angaben. Die Hilfeseite schreibt, dass die Funktion ab Donnerstag, dem 29. Oktober 2026, automatisch für neue und bestehende Kampagnen aktiviert wird [1]. In der Mail, die Barry Schwartz von Search Engine Roundtable erhalten und veröffentlicht hat, steht Freitag, der 30. Oktober 2026, und ausdrücklich „self-serve campaigns“ [2][3]. Welches Datum gilt, ist offen. Ich würde mit dem früheren rechnen (Einschätzung).
02 / Die Risiken
Wo automatisch umgeschriebene Anzeigen für kleine Firmen heikel werden.
Für einen großen Händler mit Hunderten Produkten kann die Funktion Arbeit sparen. Für einen kleinen Betrieb, der zwei oder drei Anzeigen sorgfältig formuliert hat, sehe ich vor allem vier Stellen, an denen es schiefgehen kann (Einschätzung).
Preise und Aktionen, die nicht mehr gelten
OpenAI nimmt Inhalte der Landingpage als Quelle und rät selbst, Preise, Aktionen, Produktdetails und Verfügbarkeit aktuell zu halten [1]. Im Umkehrschluss heißt das: Steht auf der Seite noch ein abgelaufener Rabatt oder ein alter Preis, kann er in einer Anzeige landen, die du nie gesehen hast (Einschätzung). Gerade vor Black Friday, wenn Aktionen häufig wechseln, ist das ein echtes Risiko.
Aussagen, die du so nicht machen würdest
Irreführende Angaben über Preise, Eigenschaften oder Verfügbarkeit sind nach § 5 UWG unzulässig [10]. Wer am Ende für eine automatisch umformulierte Anzeige geradesteht, regelt die Hilfeseite nicht. Ich gehe davon aus, dass du als Werbetreibender verantwortlich bleibst, das ist aber keine Rechtsberatung (Einschätzung). Besonders vorsichtig wäre ich bei Branchen mit Pflichtangaben oder Werbeverboten, etwa Gesundheit, Finanzen oder Heilberufe.
Übersetzungen und Markenstimme
Die Übersetzung in andere Sprachen klingt praktisch, passt aber nicht zu jedem Angebot. Bietest du nur auf Deutsch Beratung an oder versendest nur innerhalb Deutschlands, lockt eine englische Anzeige womöglich Klicks an, die nicht kaufen können (Einschätzung). Dazu kommt der Ton: Wer seine Kundschaft siezt oder bewusst zurückhaltend formuliert, kann nicht prüfen, ob jede Variante diesen Stil trifft, weil es keine Vorschau gibt [1].
Geänderte Ziel-URLs und dein Tracking
OpenAI empfiehlt, statische UTM-Parameter an die Landingpage-URL zu hängen, um ChatGPT-Ads-Traffic in eigenen Analyse-Tools zu erkennen [6]. Ob diese Parameter erhalten bleiben, wenn das System die Ziel-URL auf eine andere Seite deiner Website umlenkt, steht in der Hilfe zu Creative Enhancements nicht [1]. Das ist für mich die wichtigste offene Frage. Wie wackelig die Zuordnung von ChatGPT-Traffic ohnehin ist, steht in ChatGPT-Besuche landen unter „Direkt“. Prüfe nach dem Stichtag in GA4, ob Klicks aus ChatGPT Ads weiter mit deinen Parametern ankommen und auf welchen Seiten sie landen.
Auch die Messung selbst hat eine Grenze. OpenAI schreibt, dass Veränderungen in den Kennzahlen über die Zeit allein nicht belegen, welchen Effekt die Creative Enhancements haben [1]. Ein sauberer Vorher-nachher-Vergleich ist also nicht ohne Weiteres möglich.
03 / Opt-out
So schaltest du die Creative Enhancements ab oder steuerst sie je Kampagne.
Du kannst die Funktion vor dem Stichtag abwählen oder die Einstellung jederzeit im Ads Manager ändern [1][2]. Die Hilfe beschreibt den Weg knapp mit „Manage settings“ im Ads Manager [1]. Schwartz zeigt die Einstellung als Schalter in den Einstellungen des Werbekontos, bei ihm war er bereits eingeschaltet [2].
Wichtig ist das Zusammenspiel von Konto und Kampagne. Laut OpenAI bleiben bestehende Opt-outs auf Konto- und Kampagnenebene erhalten, und Einstellungen einer Kampagne haben Vorrang vor dem Kontostandard [1][2]. Daraus ergibt sich ein einfacher Ablauf:
- Anmelden unter ads.openai.com und das richtige Werbekonto wählen, falls du mehrere betreust.
- Kontostandard festlegen: In den Einstellungen den Schalter für Creative Enhancements suchen und bewusst auf aus oder an stellen [1][2].
- Kampagnen prüfen: Da Kampagneneinstellungen den Kontostandard überstimmen [1], jede laufende Kampagne einmal öffnen und nachsehen, ob dort eine eigene Einstellung gesetzt ist. Die genaue Menüführung auf Kampagnenebene beschreibt OpenAI nicht, das kann je nach Konto abweichen (Einschätzung).
- Nach dem Stichtag kontrollieren: Am 30. Oktober noch einmal hineinsehen, ob die Einstellungen geblieben sind, und neue Kampagnen ab dann gezielt einstellen. Neue Kampagnen sind laut OpenAI ausdrücklich eingeschlossen [1].
Mein Vorschlag für kleine Firmen: Kontostandard aus, und nur dort einschalten, wo du ein Angebot mit einfachen, stabilen Aussagen bewirbst und die Landingpage sauber gepflegt ist (Einschätzung). Wenn du die Funktion testen willst, nimm eine einzelne Kampagne mit festem Budget und lass die übrigen ohne Änderungen laufen.
Unabhängig von der Entscheidung empfiehlt OpenAI drei Vorbereitungen [1]: Anzeigen und Landingpages aktuell halten, klar und konkret beschreiben, was du anbietest, und sicherstellen, dass Anzeigen und Seiten den Werberichtlinien von OpenAI entsprechen.
04 / Vergleich mit Google
Wie Google dasselbe Prinzip bei automatisch erstellten Assets löst.
Neu ist die Idee nicht. Google Ads arbeitet seit Jahren mit automatisch erstellten Anzeigentexten. Die Funktion heißt inzwischen „Textanpassung“ und hieß früher „Automatisch erstellte Assets“ [8]. Sie erzeugt zusätzliche Anzeigentitel und Textzeilen aus Domain, Landingpage, vorhandenen Anzeigen und Keywords, kombiniert mit generativer KI [8]. Seit September 2026 stellt Google Kampagnen mit Textanpassung automatisch auf AI Max um [8].
In AI Max gehören Textanpassung und „Erweiterung der finalen URL“ zur Asset-Optimierung. Beide werden mit AI Max eingeschaltet, lassen sich aber in den Kampagneneinstellungen einzeln abschalten [7]. Google schreibt außerdem, dass du erstellte Assets entfernen und über URL-Einstellungen festlegen kannst, wohin Nutzer geleitet werden [7]. Die Richtigkeit der Inhalte prüfst du im Bericht zu Asset-Details [8]. Daneben gibt es automatisch erstellte Assets auf Kontoebene, etwa dynamische Sitelinks oder Zusatzinformationen, die du einzeln deaktivieren kannst [9].
Der Unterschied liegt in der Kontrolle danach. Bei Google kannst du die erzeugten Assets im Bericht sehen und einzeln entfernen [7][8]. Bei ChatGPT Ads gibt es laut Hilfe keine Vorschau aller Varianten, und Varianten können in Echtzeit aus dem Gespräch entstehen [1]. Eine Liste der tatsächlich ausgespielten Texte erwähnt OpenAI nicht. Gemeinsam ist beiden, dass deine Landingpage zur Textquelle wird. Deren Pflege ist damit Teil der Anzeigenpflege (Einschätzung).
Ähnlich ist es bei Rabatten: Google Ads kann Angebote inzwischen automatisch aus deinem Shop übernehmen, Details stehen in Google Ads übernimmt Rabatte automatisch. Wenn du parallel deine Black-Friday-Kampagnen planst, findest du in Black Friday in Google Ads, warum Saisonanpassungen dort eher schaden.
Vor dem 29. Oktober in drei Schritten
01
Kontostandard
festlegen
02
Kampagnen
prüfen
03
Landingpages
aktualisieren
Preise und Aktionen auf der Seite sind jetzt Teil deiner Anzeige.
ChatGPT Ads
Soll ich dein ChatGPT-Ads-Konto vor dem Stichtag durchsehen?
Ich prüfe die Einstellungen für Creative Enhancements auf Konto- und Kampagnenebene, gleiche Preise und Aussagen auf deinen Landingpages ab und richte das Tracking so ein, dass du Klicks aus ChatGPT in GA4 wiederfindest.
FAQ
Häufige Fragen zu Creative Enhancements in ChatGPT Ads.
Verändern die Creative Enhancements die Antworten von ChatGPT?
Nein. Laut OpenAI beeinflussen Anzeigen die Antworten von ChatGPT nicht, sie sind getrennt und gekennzeichnet [1][4].
Betrifft das auch Kampagnen über Agenturen oder das OpenAI-Team?
Die Mail an Werbetreibende spricht von Self-Serve-Kampagnen [2]. Die Hilfeseite sagt allgemein „neue und bestehende Kampagnen“ [1]. Wenn deine Kampagnen über eine Agentur laufen, frag dort nach, wie die Einstellung gesetzt ist.
Kann ich die Funktion später wieder einschalten?
Ja. Die Einstellung lässt sich laut OpenAI jederzeit im Ads Manager ändern [1].
Quellen
Quellen
- OpenAI Help Center: „Creative enhancements for ChatGPT Ads“, aktualisiert 22. Oktober 2026 – help.openai.com · abgerufen 22.10.2026.
- Search Engine Roundtable (Barry Schwartz): „OpenAI Auto Enabling Creative Enhancements In ChatGPT Ads“, 20. Oktober 2026 – seroundtable.com · abgerufen 22.10.2026.
- Search Engine Roundtable: „Daily Search Forum Recap: October 21, 2026“ – seroundtable.com · abgerufen 22.10.2026.
- OpenAI: „ChatGPT Ads expands across Europe“, 18. August 2026, Update vom 31. August 2026 – openai.com · abgerufen 22.10.2026.
- OpenAI: „ChatGPT Ads expands to 26 new countries as over 100,000 advertisers have used the platform“, 21. Oktober 2026 – openai.com · abgerufen 22.10.2026.
- OpenAI Help Center: „Ads in ChatGPT: The Basics“ – help.openai.com · abgerufen 22.10.2026.
- Google Ads-Hilfe: „Funktionsweise von AI Max für Suchkampagnen“ – support.google.com · abgerufen 22.10.2026.
- Google Ads-Hilfe: „Textanpassung in Suchkampagnen“ – support.google.com · abgerufen 22.10.2026.
- Google Ads-Hilfe: „Automatisch erstellte Assets auf Kontoebene“ – support.google.com · abgerufen 22.10.2026.
- Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), § 5 Irreführende geschäftliche Handlungen – gesetze-im-internet.de · abgerufen 22.10.2026.
Alle Quellen am 22. Oktober 2026 abgerufen. Aussagen ohne belastbare Quelle sind im Text als Einschätzung gekennzeichnet; die Ziffern in eckigen Klammern verweisen auf die Nummern dieser Liste.

