Online-Marketing

25. Oktober 2026

ca. 9 Min. Lesezeit

Streichpreise zum Black Friday: 30-Tage-Regel, das OLG-Köln-Urteil und warum Shopify deine Vergleichspreise jetzt auch an KI-Agenten schickt

Der 30-Tage-Tiefstpreis ist Pflicht, schützt aber nicht vor irreführenden Streichpreisen. Was das OLG Köln entschieden hat, wie du das Vergleichspreis-Feld in Shopify nutzt und was KI-Agenten jetzt davon sehen.

Sebastian Ziermann

18 Jahre Online-Marketing · Beratung & Umsetzung

Inhaberin einer Boutique hängt neue Preisschilder an Kleidungsstücke – Preise für die Black-Friday-Aktion vorbereiten

In diesem Artikel

Schon eine Aufgabe im Kopf?

Das Wichtigste vorweg

Wer zum Black Friday einen Preis senkt und das bewirbt, muss den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage nennen [1], und der beworbene Rabatt muss sich laut EuGH auf genau diesen Preis beziehen [4]. Das OLG Köln hat am 2. Oktober 2026 außerdem klargestellt: Ein durchgestrichener Preis, der vorher gar nicht galt, bleibt irreführend, auch wenn der 30-Tage-Preis korrekt daneben steht [2][3]. Seit Oktober schickt Shopify deinen Vergleichspreis zudem an KI-Shopping-Agenten [7]. Dieser Beitrag ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung.

01 / Die Regel

Was die 30-Tage-Regel in § 11 PAngV verlangt.

Black Friday fällt 2026 auf den 27. November, Cyber Monday auf den 30. November [3]. Bis dahin bleibt genug Zeit, um die Preisdarstellung im Shop in Ruhe zu prüfen. Ausgangspunkt ist ein kurzer Paragraf der Preisangabenverordnung.

§ 11 Absatz 1 PAngV sagt: Wer gegenüber Verbrauchern eine Preisermäßigung für eine Ware bekannt gibt, muss den niedrigsten Gesamtpreis angeben, den er in den letzten 30 Tagen vor der Ermäßigung verlangt hat [1]. Das gilt bei jeder Bekanntgabe, also auf der Produktseite, in der Kategorieansicht, im Newsletter und in Anzeigen.

Shopify zählt in seiner Hilfe auf, was als Bekanntgabe gilt: Prozent-Rabatte, feste Beträge, „jetzt 50 EUR, vorher 100 EUR“, aber auch „jetzt 50 EUR, später 100 EUR“ und jede Aktion, die den Eindruck einer Ermäßigung erweckt, ausdrücklich auch ein „Black Friday Deal“ [5]. Die Seite bezieht sich auf die EU-Preisangabenrichtlinie, die § 11 umsetzt [3][5].

Was der EuGH zur Rabattberechnung entschieden hat

Den 30-Tage-Preis nur irgendwo klein daneben zu schreiben, reicht nicht. Der EuGH hat am 26. September 2024 im Fall Aldi Süd (C-330/23) entschieden, dass eine Preisermäßigung, die als Prozentsatz oder mit einer Werbeaussage bekannt gegeben wird, auf der Grundlage des niedrigsten Preises der letzten 30 Tage bestimmt werden muss [4]. Ein „ermäßigter“ Preis darf also nicht genauso hoch oder höher sein als dieser Vorpreis [4].

Für dein „-30 %“-Badge heißt das: Die 30 Prozent müssen vom 30-Tage-Tiefstpreis aus stimmen, nicht vom Normalpreis, wenn du in den letzten Wochen schon einmal reduziert hattest.

Ausnahmen laut Gesetzestext

  • Schrittweise Ermäßigung: Steigt eine Ermäßigung ohne Unterbrechung schrittweise an, darfst du während der ganzen Aktion den niedrigsten Preis von vor Beginn der Aktion angeben [1].
  • Individuelle Preisermäßigungen sind von der Pflicht ausgenommen [1]. Shopify nennt als Beispiele einen persönlichen Gutscheincode nach dem Kauf oder einen Geburtstagsrabatt. Ein Code, den jeder nutzen kann, gilt dagegen nicht als persönlich, auch wenn „nur für dich“ darübersteht [5].
  • Schnell verderbliche Waren oder Waren mit kurzer Haltbarkeit, wenn der Preis wegen drohenden Verderbs oder Ablaufs der Haltbarkeit sinkt und du das für Kunden erkennbar machst [1].

02 / Das Urteil

Was das OLG Köln im Oktober entschieden hat.

Im Fall vor dem OLG Köln (Urteil vom 2. Oktober 2026, 6 U 24/26) ging es um eine Matratze. Unmittelbar vor der Aktion kostete sie 199 €. In der Aktion stand neben dem rot hervorgehobenen Aktionspreis ein höherer, durchgestrichener Preis, dazu ein Sternchen: „Preis wieder gültig ab dem 28.01.2026“. Den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage hatte der Händler angegeben [2][3].

Das Landgericht Köln hatte die Werbung im Eilverfahren untersagt, das OLG hat die Berufung zurückgewiesen; das Urteil ist rechtskräftig [2]. Laut der Kanzlei LHR lassen sich die Kernaussagen so zusammenfassen [3]:

  • Kunden verstehen einen Streichpreis als den Preis, den der Händler unmittelbar vorher verlangt hat. Dass der höhere Preis irgendwann früher einmal galt, reicht nicht.
  • Der Hinweis „wieder gültig“ hat den falschen Eindruck verstärkt, statt ihn aufzuklären.
  • Die korrekte Angabe des 30-Tage-Preises beseitigt die Irreführung nicht.
  • Neben § 5 UWG sah der Senat einen Verstoß gegen das Gebot der Preisklarheit aus der PAngV.

Den Gegenstandswert der Berufung setzte das Gericht laut LHR auf 48.000 € fest [3]. Für Shops ist die Lehre klar: Wer die Pflichtangabe richtig macht, ist nicht automatisch auf der sicheren Seite. Jeder andere Preis daneben muss ebenfalls stimmen.

Mit dem künftigen Preis zu werben, hält LHR für grundsätzlich möglich, wenn der Kunde das auf den ersten Blick erkennt und der Preis danach tatsächlich verlangt wird. Die Kanzlei rät dann zu einer Darstellung ohne Durchstreichung, mit Datum, und zu Vorsicht bei Wörtern wie „wieder“, „zurück“ oder „regulär“ [3].

03 / Shopify

Wie du das Vergleichspreis-Feld in Shopify richtig nutzt.

Shopify hat für Preise genau zwei Felder: Preis und Vergleichspreis (im englischen Admin „Compare-at price“) [5]. Damit der Shop einen Sale-Preis anzeigt, muss der Vergleichspreis höher sein als der Preis [6]. Ob und wo der durchgestrichene Preis erscheint, steuert dein Theme [6].

Hier liegt eine Stolperstelle in Shopifys eigener Hilfe. Die allgemeine Anleitung sagt, in das Vergleichspreis-Feld gehöre der „ursprüngliche Preis“ [6]. Die Seite zur EU-Preisangabenrichtlinie sagt dagegen, für Kunden im EWR solltest du dort den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage eintragen [5]. Für deutsche Shops ist die zweite Anleitung die passende.

Wenn du in den letzten 30 Tagen schon reduziert hattest

Shopify rechnet ein Beispiel vor: Normalpreis 150 €, in den letzten 30 Tagen schon einmal 100 €, jetzt 50 Prozent Rabatt. Entweder rechnest du die 50 Prozent auf die 100 € und landest bei 50 €. Oder du rechnest auf den Normalpreis und nennst dann klar Rabatt, Normalpreis, den niedrigeren Vorpreis und den Endpreis von 75 € [5]. Den Rabatt auf den Normalpreis zu geben, ohne den 30-Tage-Tiefstpreis zu nennen, geht laut Shopify nicht [5].

Weil es nur zwei Preisfelder gibt, empfiehlt Shopify für diesen Fall, das Theme so anzupassen, dass beide Angaben auf der Produktseite stehen, oder den 30-Tage-Preis über Metafelder anzuzeigen [5]. Eine fertige Theme-Einstellung dafür nennt Shopify nicht. Ob dein Theme so etwas kann, steht in dessen Dokumentation [6].

Rabatte, Märkte und UVP

  • Automatische Rabatte und Codes zeigt Shopify nur im Checkout durchgestrichen. Für Streichpreise auf Produkt- und Kategorieseiten brauchst du eine Rabatt-App oder eine eigene Lösung [6]. Auch die muss die 30-Tage-Regel abbilden.
  • Märkte: Liegt dein Hauptmarkt außerhalb des EWR und du verkaufst über Markets in die EU, sind Vergleichspreise für diese Kunden standardmäßig ausgeblendet und lassen sich je Markt einblenden [5].
  • UVP oder Konkurrenzpreis: Solche externen Vergleiche fallen nicht unter die Preisangabenrichtlinie, aber unter das Irreführungsverbot. Nutzt du das Vergleichspreis-Feld für eine UVP, sollte das für Kunden klar erkennbar sein [5].

Den Zeitplan für Rabatte, Checkout und Tracking bis zum Aktionstag findest du in meinem Black-Friday-Fahrplan für Shopify.

04 / KI-Agenten

Warum Shopify deine Vergleichspreise jetzt an KI-Agenten schickt.

Am 9. Oktober 2026 hat Shopify angekündigt, dass Shopify Catalog den Vergleichspreis an KI-Shopping-Agenten weitergibt. Bisher sahen die Agenten nur den aktuellen Preis, jetzt erkennen sie, dass ein Produkt reduziert ist [7]. Shopify nennt als Beispiele für solche Kanäle ChatGPT und Microsoft Copilot [6]. Technisch landet der Vergleichspreis im Feld list_price des Universal Commerce Protocol [8]. Was UCP ist, habe ich in Kaufen direkt in Googles KI-Modus beschrieben.

Die Regeln laut Shopify-Hilfe [8]:

  • Ist die Einstellung an, sendet Catalog den Vergleichspreis nur, wenn er höher als der aktuelle Preis ist. Agenten können ihn dann als Streichpreis zeigen.
  • Ist sie aus, sendet Catalog nur den aktuellen Preis.
  • Dein Shop startet mit einer Voreinstellung. Änderst du später, wie du Vergleichspreise nutzt, ändert sich diese Auswahl nicht automatisch.
  • In der Vorschau erscheint der Vergleichspreis durchgestrichen, dazu ein Badge mit dem Rabatt in Prozent.

Wichtig: Dein Theme hat keinen Einfluss darauf, wie Agenten Preise darstellen. Jeder KI-Kanal entscheidet selbst, ob er den Vergleichspreis neben den aktuellen Preis stellt [6].

Was das für deine Aktion bedeutet

Shopify beschreibt nur, dass der Vergleichspreis weitergegeben wird. Dass auch ein separat per Metafeld angezeigter 30-Tage-Preis oder dein Sternchentext beim Agenten ankommt, steht in den Quellen nicht [7][8]. Meine Einschätzung: Wenn das Vergleichspreis-Feld bei dir die UVP oder einen alten Normalpreis enthält, zeigt der Agent womöglich einen Streichpreis und einen Prozent-Rabatt, die nach der 30-Tage-Regel nicht stimmen, ohne die Erklärung, die in deinem Theme steht. Ob und wie die Preisangabenverordnung auf Darstellungen in fremden KI-Kanälen anzuwenden ist, ist meines Wissens nicht geklärt. Das gehört in die Frage an deine Anwältin.

Die Einstellung findest du im Shopify-Admin unter Vertriebskanäle › Agentic › Bereich „Sources“ › Shopify Catalog › „Review product data mapping“ › Abschnitt „Compare-at“ [8]. Dort kannst du in der Vorschau ein reduziertes Produkt auswählen und prüfen, was ein Agent sehen würde. Die Menünamen nennt Shopify auf Englisch, in der deutschen Oberfläche können sie abweichen (Einschätzung).

05 / Checkliste

Checkliste: Typische Fehler vor dem Black Friday vermeiden.

Diese Punkte würde ich vor dem Start der Aktion durchgehen. Sie fassen zusammen, was Gesetz, Gerichte und Shopify sagen; sie ersetzen keine rechtliche Prüfung.

  1. Preisverlauf sichern: Exportiere jetzt die Preise aller Aktionsprodukte und halte fest, welche Preise in den 30 Tagen vor der Aktion galten. LHR nennt eine lückenlose Preishistorie das wichtigste Beweismittel im Streitfall [3].
  2. Vergleichspreise bereinigen: Alte Vergleichspreise aus früheren Aktionen bleiben im Feld stehen, bis du sie löschst. LHR warnt, dass Shop-Vorlagen und Repricing-Tools gespeicherte Streichpreise oft ungeprüft übernehmen und die Haftung beim Händler liegt [3].
  3. Nur den echten Vorpreis durchstreichen: Kein künftiger Preis, kein Preis von vor drei Monaten [2][3].
  4. Prozente nachrechnen: Jedes Badge und jede Prozentangabe in Anzeigen und Newslettern auf den 30-Tage-Tiefstpreis beziehen [3][4].
  5. Sternchentexte gegenlesen: „Wieder gültig“ oder „statt regulär“ nur, wenn es stimmt [3].
  6. Agentic-Kanal prüfen: Einstellung „Compare-at“ ansehen und bewusst entscheiden, ob Agenten deine Vergleichspreise bekommen [8].
  7. Anzeigen angleichen: Sale-Preise in Google Shopping und Werbetexten müssen zum Shop passen. Was du vor Black Friday in Google Ads einstellst, steht in Black Friday in Google Ads.

Streichpreise in drei Schritten prüfen

01

Preise
sichern

02

Felder
bereinigen

03

Kanäle
prüfen

Spätestens 30 Tage vor der Aktion keine Preisspielereien mehr.

Black-Friday-Check

Soll ich deine Shopify-Preise vor der Aktion durchgehen?

Ich prüfe Vergleichspreise, Theme-Darstellung, Rabatt-Apps und die Einstellungen im Agentic-Kanal deines Shopify-Shops und zeige dir, wo die Technik nicht zu deinen Preisregeln passt. Die rechtliche Bewertung bleibt bei deiner Anwältin oder deinem Anwalt.

FAQ

Häufige Fragen zu Streichpreisen im Shopify-Shop.

Reicht es, den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage anzugeben?

Die Angabe ist Pflicht [1], schützt aber nicht vor irreführenden Preisen daneben. Im Kölner Fall stand der 30-Tage-Preis korrekt da, die Werbung wurde trotzdem untersagt [2][3].

Gilt die Regel auch für persönliche Rabattcodes?

Individuelle Preisermäßigungen sind ausgenommen [1]. Ein Code, den alle Kunden nutzen können, ist laut Shopify aber nicht individuell [5].

Kann ich die Weitergabe an KI-Agenten abschalten?

Ja. Im Agentic-Kanal schaltest du im Abschnitt „Compare-at“ die Weitergabe aus; dann sendet Shopify Catalog nur den aktuellen Preis [8].

Quellen

Quellen

  1. Bundesministerium der Justiz: „§ 11 PAngV – Zusätzliche Preisangabenpflicht bei Preisermäßigungen für Waren“ – gesetze-im-internet.de · abgerufen 25.10.2026.
  2. Oberlandesgericht Köln, 6. Zivilsenat: Urteil vom 2. Oktober 2026, 6 U 24/26 – nrwe.justiz.nrw.de · abgerufen 25.10.2026.
  3. LHR Rechtsanwälte (Arno Lampmann): „‚Preis wieder gültig ab …‘: OLG Köln untersagt Streichpreis, der nie der Vorpreis war“, Oktober 2026 – lhr-law.de · abgerufen 25.10.2026.
  4. Gerichtshof der Europäischen Union: Urteil vom 26. September 2024, C-330/23 (Verbraucherzentrale Baden-Württemberg/Aldi Süd), veröffentlicht von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg – verbraucherzentrale-bawue.de · abgerufen 25.10.2026.
  5. Shopify Help Center: „European Price Indication Directive“ – help.shopify.com · abgerufen 25.10.2026.
  6. Shopify Help Center: „Setting sale prices for products“ – help.shopify.com · abgerufen 25.10.2026.
  7. Shopify Changelog: „Compare-at prices now shared to agentic channels“, 9. Oktober 2026 – changelog.shopify.com · abgerufen 25.10.2026.
  8. Shopify Help Center: „Customizing your product data for Shopify Catalog“ – help.shopify.com · abgerufen 25.10.2026.

Alle Quellen am 25. Oktober 2026 abgerufen. Dieser Beitrag ist eine Einordnung und keine Rechtsberatung. Aussagen ohne belastbare Quelle sind im Text als Einschätzung gekennzeichnet; die Ziffern in eckigen Klammern verweisen auf die Nummern dieser Liste.

Sebastian Ziermann

Über den Autor

Sebastian Ziermann

Ich verbinde 18 Jahre Online-Marketing mit technischer Umsetzung und unterstütze Shopify-Shops und KMU bei KI, SEO und Webprojekten.

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