Das Wichtigste vorweg
Google hat mit AI Edge Foresight eine kostenlose, ausdrücklich experimentelle Mac-App veröffentlicht, die Besprechungen auf dem Rechner selbst transkribiert und daraus Notizen macht [1][3]. Ein erster Praxistest zeigt: Die Gesprächsinhalte bleiben auf dem Mac, Nutzungsdaten gehen aber trotzdem an Google, und Sprecher werden nicht unterschieden [4]. Egal welches Werkzeug du nimmst: Ohne Zustimmung aller Teilnehmenden darfst du ein Gespräch nicht aufzeichnen [8].
01 / Was neu ist
Google bringt ein Meetingprotokoll, das ohne Cloud auskommt.
Am 6. Oktober hat Google im Entwicklerblog „Google AI Edge Foresight“ für den Mac vorgestellt [1]. Google beschreibt die App als experimentellen Begleiter für Besprechungen, der mit vollständig lokaler KI arbeitet: Er hilft beim Mitschreiben, durchsucht frühere Gesprächsmitschriften und eigene Dateien und funktioniert laut Google mit jeder Meeting-Plattform, auch ganz ohne Internet [1]. Dafür greift die App auf das Mikrofon und den Systemton des Macs zu [1].
Im Hintergrund arbeiten zwei Modelle. EmbeddingGemma 2 mit 740 Millionen Parametern macht Texte, Bilder und Audio durchsuchbar, Gemma 4 schreibt die Antworten und Notizen [1][3]. TechCrunch hat die App am 8. Oktober als lokale Konkurrenz zu Granola eingeordnet, einem beliebten KI-Notizprogramm [3]. Wie bei Granola schreibst du links eigene Stichpunkte, rechts entstehen ausformulierte Notizen. Zusätzlich kannst du PDFs, Google Docs, Office-Dateien, Markdown oder Lesezeichen als Wissensbasis hinterlegen; kommt im Gespräch ein passendes Thema auf, schlägt die App Antworten daraus vor [3].
Laut TechCrunch ist die App für Apple Silicon optimiert und funktioniert komplett offline, etwa auf Reisen [3]. Google schreibt, die sensiblen Daten verließen das Gerät nicht, und nennt keine Abokosten [1]. Einen Preis gibt es nicht, die App ist kostenlos [4]. Eine Windows-Version gibt es bisher nicht [4].
02 / Praxis
Was Foresight im Alltag kann und was (noch) nicht.
Den bisher ausführlichsten Praxistest hat Nick vom Anbieter talat veröffentlicht, einem lokalen Meeting-Notizprogramm, also einem direkten Wettbewerber [4]. Das solltest du beim Lesen im Hinterkopf haben. Die Beobachtungen sind aber konkret und nachvollziehbar beschrieben, deshalb fasse ich die für kleine Teams wichtigen Punkte zusammen:
- Einrichtung: Die App ist 153 MB groß, lädt vor dem ersten Einsatz aber rund 800 MB Sprach- und Suchmodelle sowie ein Sprachmodell mit 3,41 GB herunter. Bis zur ersten Aufnahme vergingen im Test etwa achteinhalb Minuten [4]. Ein Google-Konto brauchst du nur für Drive und Kalender [4].
- Transkript: Auf Englisch sehr gut [4]. Die App trennt aber nur zwischen „du“ (Mikrofon) und „alle anderen“ (Systemton), Namen oder Stimmen erkennt sie nicht [4]. Bei einer Runde mit fünf Leuten weißt du hinterher also nicht, wer was zugesagt hat.
- Lautsprecher: Wer ohne Kopfhörer telefoniert, bekommt die Gegenseite doppelt ins Transkript, einmal über den Systemton und einmal über das Mikrofon [4].
- Aufnahme starten: Die App merkt nicht von selbst, dass ein Call beginnt; du musst die Mitschrift manuell starten [4].
- Andere Sprachen: Französisch hat die App verstanden, aber alle Akzentbuchstaben weggelassen. Eine Spracheinstellung fand der Tester nicht [4].
Für den deutschen Büroalltag ist der letzte Punkt entscheidend. Eine Liste unterstützter Sprachen habe ich in Googles Ankündigung nicht gefunden [1]. Ob Umlaute und deutsche Fachbegriffe sauber ankommen, würde ich deshalb vor dem Einsatz mit einer Testaufnahme prüfen (Einschätzung). Bei der Zusammenfassung erinnert der Tester daran, dass Modelle, die auf einen Laptop passen, begrenzt sind [4]. Das deckt sich mit dem, was ich im Beitrag über lokale KI auf dem Büro-Mac beschrieben habe: Für Protokolle reichen kleine Modelle oft, für anspruchsvolle Texte musst du nacharbeiten.
03 / Datenschutz
„Offline“ heißt nicht, dass gar nichts übertragen wird.
Der Tester hat während der Aufnahme den Netzwerkverkehr beobachtet. Sein Ergebnis: Audio und Transkript gingen nicht ins Netz, er fand keines von 90 markanten Wörtern aus seiner Aufnahme in den übertragenen Berichten [4]. Die App schickte aber laufend Nutzungsdaten an Google, in zwei Minuten 74 Berichte [4]. Darin standen unter anderem Dauer eines Meetings, Zahl der gesprochenen Wörter, Zahl erkannter Fragen und ob ein Kalendertermin verknüpft war [4]. Der Einrichtungsbildschirm erwähnt diese „de-identifizierten Nutzungsdaten“, einen Schalter zum Abstellen fand der Tester nicht [4].
Zwei weitere Punkte betreffen den Firmen-Mac. Foresight trug sich bei der Installation als Anmeldeobjekt ein und legte einen Hintergrundjob an, der alle vier Stunden läuft und die App wieder öffnet, auch nachdem man sie beendet hat [4]. Wer Macs zentral verwaltet, sollte das wissen, bevor die App im Team landet (Einschätzung). Und wer Google Drive oder den Kalender anbindet, holt Daten von Googles Servern; die Verarbeitung bleibt lokal, ganz ohne Internet läuft das aber nicht [4].
Zum Vergleich ein Cloud-Werkzeug: Granola transkribiert laut eigener Sicherheitsseite über externe Dienste wie Deepgram und Assembly und fasst mit Modellen von OpenAI oder Anthropic zusammen [5]. Audio speichert Granola nicht, Transkripte und Notizen liegen verschlüsselt in einer AWS-Umgebung in den USA [5]. Granola nennt eine SOC-2-Type-2-Prüfung und stellt einen Auftragsverarbeitungsvertrag auf Anfrage bereit [5]. Das kann für viele Firmen in Ordnung sein, es ist aber ein anderes Modell: Die Inhalte deiner Besprechungen liegen bei einem Dienstleister. Der Business-Tarif kostet 14 US-Dollar pro Person und Monat [6].
Meine Einschätzung: Lokale Verarbeitung ist für vertrauliche Gespräche mit Kunden, Bewerbern oder Mitarbeitenden ein echter Vorteil, weil der Wortlaut auf deinem Rechner bleibt. Sie macht dich aber nicht von der DSGVO frei. Ein Transkript mit Namen und Aussagen ist personenbezogen; Zugriffsrechte, Löschfristen und die Verschlüsselung des Macs bleiben deine Aufgabe (Einschätzung, keine Rechtsberatung).
04 / Einwilligung
Bevor du auf „Aufnehmen“ klickst: Alle müssen Bescheid wissen.
Das wichtigste Thema hat mit Technik wenig zu tun. Nach § 201 Strafgesetzbuch macht sich strafbar, wer unbefugt „das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt“; die Strafe reicht bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe [8]. Ein internes Meeting oder ein Kundentermin ist in aller Regel nichtöffentlich (Einschätzung, keine Rechtsberatung). Dass die Aufnahme nur auf deinem Mac landet, ändert daran nichts.
Dazu kommt die Informationspflicht: Wer personenbezogene Daten erhebt, muss die Betroffenen unter anderem über Zweck, Rechtsgrundlage und Speicherdauer informieren (Art. 13 DSGVO) [9]. In der Praxis heißt das für dich (Einschätzung):
- In der Einladung ankündigen, dass ein KI-Protokoll mitläuft und ob es lokal oder in der Cloud verarbeitet wird.
- Zu Beginn des Termins noch einmal fragen und die Zustimmung kurz im Protokoll festhalten. Wer nicht möchte, bekommt ein klassisch mitgeschriebenes Protokoll.
- Festlegen, wie lange Transkripte aufbewahrt werden, und sie danach löschen. Oft reicht es, nur die Zusammenfassung mit Aufgaben zu behalten.
- Bei Bewerbungsgesprächen, Personalthemen oder Gesprächen mit Berufsgeheimnisträgern lieber ganz auf die Aufnahme verzichten.
Granola bietet im Enterprise-Tarif eine organisationsweite Benachrichtigung an, dass das Programm genutzt wird [6]. Das ersetzt keine Einwilligung, zeigt aber, dass auch die Anbieter das Thema sehen.
05 / Alternativen
Was du schon hast: Audio-Transkript in Apple Notizen.
Bevor du eine neue App installierst, lohnt ein Blick in Apple Notizen. Dort kannst du in einer Notiz über die Büroklammer „Audio aufnehmen“ wählen, während der Aufnahme weiterschreiben und dir ein Live-Transkript anzeigen lassen [7]. Die Transkription funktioniert laut Apple auf Macs mit M1 oder neuer, wenn die Gerätesprache unter anderem auf Deutsch steht [7]. Aus dem Transkript kann Apple Intelligence eine Zusammenfassung erstellen; Apple weist auf mögliche Nutzungsgrenzen hin [7].
Zwei Dinge solltest du dabei beachten. Erstens beschreibt Apple die Funktionen für Notizen in iCloud [7]. Liegt die Notiz in iCloud, wird auch die Aufnahme synchronisiert, also nicht nur auf dem Mac gespeichert (Einschätzung). Zweitens: Löschst du die Aufnahme, ist auch das Transkript weg [7]. Willst du nur das Ergebnis behalten, kopierst du Transkript oder Zusammenfassung vorher in die Notiz. Wie du Apples KI-Funktionen auf Firmen-Macs steuerst oder abschaltest, steht in Apple Intelligence deaktivieren.
Wann passt was? Für einzelne Gespräche, Interviews oder Sprachnotizen auf Deutsch ist Apple Notizen der einfachste Start, weil nichts installiert werden muss. Foresight ist interessant, wenn du viel mit Google Drive arbeitest, eher Einzelgespräche mit Kopfhörern führst und eigene Dokumente im Gespräch durchsuchen willst. Für Runden mit vielen Teilnehmenden, bei denen jede Zusage einer Person zugeordnet sein muss, fehlt Foresight derzeit die Sprechererkennung [4] (Einschätzung).
KI-Protokoll in drei Schritten
01
Regeln
festlegen
02
Intern auf
Deutsch testen
03
Zustimmung
einholen
Erst die Regeln, dann die App.
06 / Vorgehen
So würde ich KI-Protokolle im kleinen Team einführen.
Fang mit internen Besprechungen an, bei denen alle einverstanden sind, zum Beispiel dem wöchentlichen Teamtermin. Teste zwei Wochen lang Apple Notizen und, wenn du magst, Foresight parallel. Achte dabei auf drei Fragen: Kommen deutsche Namen, Produkte und Fachbegriffe richtig an? Stimmen die Aufgaben in der Zusammenfassung? Und wie viel Zeit sparst du gegenüber dem händischen Protokoll wirklich (Einschätzung)?
Schreib danach eine kurze Regel für das Team: welches Werkzeug erlaubt ist, wie die Ankündigung in der Einladung lautet, wo Protokolle abgelegt werden und wann Transkripte gelöscht werden. Erst dann würde ich KI-Protokolle bei Kundenterminen einsetzen. Wie KI-Werkzeuge insgesamt in deine Abläufe passen, habe ich in KI im Marketing zusammengefasst.
Und ein Hinweis zu Foresight: Google nennt die App selbst experimentell [1]. TechCrunch erinnert daran, dass Googles frühere Diktier-App aus demselben Team ebenfalls ein Experiment blieb [3]. Ich würde Foresight deshalb testen, aber keine festen Abläufe darauf bauen, bis klar ist, ob Google die App weiterentwickelt (Einschätzung).
KI-Beratung
Soll ich mit dir ein KI-Protokoll für dein Team aufsetzen?
Ich prüfe mit dir, welches Werkzeug zu euren Besprechungen passt, richte es auf euren Macs ein und schreibe mit dir die Teamregel für Ankündigung, Ablage und Löschung.
FAQ
Häufige Fragen zum KI-Meetingprotokoll auf dem Mac.
Was kostet Google AI Edge Foresight?
Nichts. Google nennt keine Abokosten [1], die App ist kostenlos [4]. Sie gilt aber als experimentell [1].
Läuft Foresight auf jedem Mac?
Die App braucht laut Praxistest einen Mac mit Apple-Chip [4], Google beschreibt sie als für Apple Silicon optimiert [3]. Eine Mindestversion von macOS oder eine Speicherangabe habe ich in Googles Unterlagen nicht gefunden.
Darf ich ein Teams- oder Zoom-Meeting mit einem lokalen Tool mitschreiben lassen?
Nur, wenn alle Teilnehmenden zustimmen. Das unbefugte Aufnehmen nichtöffentlich gesprochener Worte ist nach § 201 StGB strafbar, egal wo die Aufnahme gespeichert wird [8] (Einschätzung, keine Rechtsberatung).
Quellen
Quellen
- Google for Developers Blog: „Bring multimodal semantic search to the edge with EmbeddingGemma 2“, 6. Oktober 2026 – developers.googleblog.com · abgerufen 16.10.2026.
- Google for Developers: „Google AI Edge Foresight“ – developers.google.com · abgerufen 16.10.2026.
- TechCrunch (Ivan Mehta): „Google releases a new local-first Granola competitor“, 8. Oktober 2026 – techcrunch.com · abgerufen 16.10.2026.
- talat (Nick): „First impressions of Google AI Edge Foresight“, 9. Oktober 2026, ergänzt 11. Oktober 2026 (Anbieter eines Konkurrenzprodukts) – talat.app · abgerufen 16.10.2026.
- Granola: „Security, privacy, and how it all works“ – granola.ai · abgerufen 16.10.2026.
- Granola: „Pricing plans“ – granola.ai · abgerufen 16.10.2026.
- Apple Support: „Audio in ‚Notizen‘ auf dem Mac aufzeichnen und transkribieren“ – support.apple.com · abgerufen 16.10.2026.
- Bundesministerium der Justiz: „§ 201 StGB – Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes“ – gesetze-im-internet.de · abgerufen 16.10.2026.
- Art. 13 DSGVO: „Informationspflicht bei Erhebung von personenbezogenen Daten bei der betroffenen Person“ – dsgvo-gesetz.de · abgerufen 16.10.2026.
Alle Quellen am 16. Oktober 2026 abgerufen. Aussagen ohne belastbare Quelle sind im Text als Einschätzung gekennzeichnet; die Ziffern in eckigen Klammern verweisen auf die Nummern dieser Liste. Foresight habe ich für diesen Beitrag nicht selbst getestet.

