Das Wichtigste vorweg
Ein Domainumzug kann auch Monate nach einem scheinbar sauberen Start kippen: In einem aktuellen Fall zeigte Google plötzlich wieder die alte Domain, die neue fiel fast komplett aus dem Index [1][2]. Googles John Mueller rät, die Adressänderung in der Search Console für alle Hostvarianten einzureichen, also mit und ohne „www“ [1]. Dazu kommen 1:1-Weiterleitungen je URL, aktualisierte Sitemaps, Canonicals und interne Links sowie eine Kontrolle über mehrere Monate [3][4].
01 / Der Fall
Was passiert ist: Google zeigt plötzlich wieder die alte Domain.
Search Engine Roundtable und Search Engine Journal haben am 13. Oktober einen Fall aus einem Reddit-Forum aufgegriffen [1][2]. Ein Website-Betreiber hatte Anfang 2026 Namen und Domain gewechselt, weil er ein zusätzliches Thema abdecken wollte. Er richtete nach eigener Aussage Weiterleitungen ein, nutzte das Adressänderungs-Tool der Search Console und passte interne Namen an [2].
Zunächst lief alles nach Plan: Ab etwa April war der Traffic zurück, die neue Domain hatte rund 5.000 Impressionen pro Tag [1][2]. Vier Monate später drehte sich das Bild:
- Mehr als 5.000 Seiten der neuen Domain standen in der Search Console plötzlich auf „Gecrawlt – zurzeit nicht indexiert“ [1][2].
- Die neue Domain bekam nur noch etwa 20 Impressionen pro Woche [1][2].
- Die alte Domain war wieder vollständig indexiert, Impressionen und Klicks liefen dort auf [1][2].
- Wer in der Suche auf ein altes Ergebnis klickte, landete über die Weiterleitung trotzdem auf der neuen Domain [2].
John Mueller von Google antwortete im Thread. Manchmal dauere es einfach besonders lange, bis alles vollständig verarbeitet sei. Und: Google habe bemerkt und die Dokumentation vor einiger Zeit angepasst, dass es helfe, die Adressänderung in der Search Console für die Varianten mit und ohne „www“ einzurichten, damit die Domain vollständig umziehen kann [1][2].
Viele Details fehlen in dem Fall. Search Engine Journal nennt mögliche weitere Ursachen: interne Links mit absoluten URLs auf die alte Domain, eine Weiterleitung beim Domain-Anbieter, die Pfade nicht mitnimmt, Weiterleitungsketten und eine Sitemap, die noch alte URLs enthält [2]. Für dich ist der Fall vor allem eine Erinnerung, dass ein Website-Umzug nicht mit dem Umschalten der Weiterleitungen erledigt ist.
02 / Was Google dokumentiert
Was das Adressänderungs-Tool macht und was nicht.
Das Tool zur Adressänderung nutzt du, wenn deine Website von einer Domain oder Subdomain auf eine andere zieht, etwa von beispiel.de zu beispiel.org. Es informiert Google über den Umzug und hilft, die Suchergebnisse von der alten auf die neue Website zu übertragen. Du verwendest es erst, nachdem die Website umgezogen ist und die Weiterleitungen stehen [4].
Der entscheidende Satz für den aktuellen Fall steht in der Hilfe: Das Tool verschiebt keine Subdomains unter der angegebenen Domain, auch nicht „www“. Gibst du beispiel.de an, wird www.beispiel.de nicht mit umgezogen [4]. Google empfiehlt deshalb, das Tool für alle Subdomain-Varianten der alten Domain zu nutzen, einschließlich der Varianten mit und ohne „www“, auch wenn du eine davon gar nicht aktiv verwendest. Alle Varianten müssen in der Search Console bestätigt sein [4]. Die Protokolle dagegen zieht das Tool mit: Wer http://beispiel.de angibt, verschiebt auch https://beispiel.de [4].
Weitere Punkte aus der Hilfe, die bei kleineren Websites oft übersehen werden:
- Gleiches Konto: Du musst Inhaber der alten und der neuen Property sein und beide mit demselben Google-Konto verwalten [4].
- Nicht für alles: Für den Wechsel von HTTP zu HTTPS oder von www.beispiel.de zu beispiel.de auf derselben Domain ist das Tool nicht gedacht. Dort reichen Weiterleitungen und Canonicals [4].
- 180 Tage: Das Tool bevorzugt die neue Website beim Crawlen, Indexieren und bei der Wahl der kanonischen Seite und überträgt Signale. Diese Aktionen laufen 180 Tage ab Beginn der Migration [4].
- Danach unabhängig: Nach den 180 Tagen sieht Google keine Beziehung mehr zwischen alter und neuer Website und behandelt die alte als eigenständige Website, sofern sie noch existiert und crawlbar ist [4].
- Alte URLs bleiben im Index: Google löscht die alte Website nicht aus dem Index. Ihre URLs können weiter erscheinen, wenn sie erreichbar sind und es keine passende Version auf der neuen Website gibt [4].
Aus den letzten beiden Punkten leite ich ab: Wer die Weiterleitungen nicht sauber je URL setzt oder Teile der alten Domain erreichbar lässt, riskiert, dass Google nach Ablauf der 180 Tage wieder auf alte Seiten zurückgreift. Ob das im Reddit-Fall die Ursache war, ist offen (Einschätzung).
03 / Checkliste
Domainumzug für KMU: die Checkliste für Relaunch und Markenwechsel.
Die folgende Liste fasst Googles Leitfaden zur Website-Migration [3] und die Hilfe zum Adressänderungs-Tool [4] für typische Fälle zusammen: eine Firmenwebsite bekommt einen neuen Namen, ein Shop zieht auf eine neue Domain, zwei Domains werden zusammengelegt.
Vor dem Umzug
- Nicht alles auf einmal ändern. Google rät, Domainwechsel, CMS-Wechsel und neues Layout nacheinander umzusetzen: erst die Domain, dann das Design [3]. Ein Relaunch mit gleichzeitigem Markenwechsel ist damit das riskanteste Szenario.
- Struktur beibehalten. Wer am neuen Ort auch Inhalte und URL-Struktur umbaut, muss laut Google mit Traffic-Einbußen rechnen, weil Seiten neu bewertet werden [4].
- URL-Liste anlegen. Die wichtigen URLs findest du in deinen Sitemaps, in Server-Logs oder der Webanalyse und im Bericht „Links“ der Search Console. Bilder, PDFs und Videos gehören dazu [3].
- Alle Varianten bestätigen. Alte und neue Domain jeweils mit und ohne „www“ in der Search Console bestätigen, mit demselben Google-Konto [3][4].
- Testsperren dokumentieren. Wenn die neue Website während der Entwicklung per robots.txt oder
noindexgesperrt ist, lege vorab fest, was beim Start entfernt wird [3].
Am Umzugstag
- 301 je URL, 1:1. Jede alte URL leitet serverseitig und dauerhaft (301 oder 308) auf ihr direktes Gegenstück weiter, nicht alles auf die Startseite [3][4]. Ketten vermeiden: Google empfiehlt die direkte Weiterleitung zum Ziel [3].
- Canonicals und hreflang. Jede neue Seite verweist per
rel="canonical"auf sich selbst, Sprachversionen nutzen die neuen URLs [3]. - Interne Links umstellen. Links in Menü, Footer und Texten zeigen auf die neuen URLs, nicht auf die alte Domain [3]. Absolute Links auf die alte Domain findest du am besten mit einem Crawl vor und nach dem Umzug [2].
- Weiterleitungen testen. Einzelne URLs mit dem URL-Prüftool, größere Mengen per Skript oder Crawler [3].
- Adressänderung einreichen, für jede Hostvariante der alten Domain, also www und ohne www [1][4].
- Sitemaps einreichen. Eine Sitemap mit den neuen URLs und eine mit den alten. Warnungen wegen Weiterleitungen in der alten Sitemap sind dabei normal [3].
Läuft deine Website mit WordPress, sind die typischen Stolperstellen fest eingetragene Adressen in Inhalten, Menüs und Plugin-Einstellungen sowie Weiterleitungs-Plugins, die nur Teile der URLs abdecken (Einschätzung aus Projekten).
04 / Nach dem Umzug
Wie lange du die Search Console im Blick behältst.
Google schreibt, dass bei einer mittelgroßen Website einige Wochen vergehen, bis die meisten Seiten im Index umgezogen sind, bei größeren länger. Googlebot muss jede URL der alten und der neuen Website mindestens einmal aufrufen, die Migration läuft URL für URL [3]. Wie lange Google allgemein für Crawling und Indexierung braucht, habe ich in Wie lange braucht Google zum Indexieren? zusammengefasst.
Zur Dauer der Weiterleitungen gibt es zwei Angaben von Google. Der Leitfaden zur Migration empfiehlt, sie möglichst lange beizubehalten, generell mindestens ein Jahr. In dieser Zeit kann Google alle Signale übertragen, auch Links von anderen Websites auf deine alten URLs [3]. Die Hilfe zum Adressänderungs-Tool nennt mindestens 180 Tage oder länger, solange noch Traffic aus der Google-Suche über die Weiterleitungen kommt, und empfiehlt, die alte Domain mindestens ein Jahr weiter zu bezahlen, damit Dritte sie nicht für schädliche Zwecke kaufen [4]. Ich richte mich nach der strengeren Angabe: mindestens ein Jahr, besser dauerhaft (Einschätzung).
Mein Kontrollplan für die Search Console nach einem Domainumzug:
- Erste Woche: Bericht „Seiten“ beider Properties auf Fehler „Nicht gefunden“ prüfen. Viele davon sprechen für falsche Weiterleitungsziele [3].
- Wöchentlich bis Monat drei: Sitemaps vergleichen. Die indexierten Seiten der alten Sitemap sollten gegen null gehen, die der neuen entsprechend steigen [3].
- Monatlich bis Monat zwölf: Im Leistungsbericht der alten Property prüfen, ob dort wieder Impressionen auftauchen. Genau dieses Muster hatte der Reddit-Fall [1]. Für die Ursachensuche hilft dieselbe Routine wie bei jedem Einbruch, beschrieben in Ranking-Verlust prüfen.
- Rund um Tag 180: Besonders genau hinschauen, weil dann die Wirkung der Adressänderung endet [4]. Zu diesem Zeitpunkt sollten alle alten URLs nur noch weiterleiten (Einschätzung).
Taucht die alte Domain wieder auf, prüfe zuerst: Leitet jede alte URL direkt auf ihr Gegenstück? Ist die Adressänderung für www und ohne www eingereicht? Verweisen Sitemap, Canonicals und interne Links ausschließlich auf die neue Domain? Bei diesem Fehlerbild hilft es, das Ganze als Kanonisierungsproblem zu betrachten: Google wählt aus mehreren Kandidaten eine URL als die maßgebliche aus, und widersprüchliche Signale können auf die alte zeigen [2].
Domainumzug in drei Schritten
01
301 je URL
1:1 setzen
02
Adressänderung
www und ohne www
03
Ein Jahr
kontrollieren
Weiterleitungen bleiben mindestens ein Jahr aktiv.
Umzug begleiten
Neuer Name, neue Domain, neue Website?
Ich plane den Umzug deiner WordPress-Website mit dir: URL-Liste, Weiterleitungen, Search Console für alle Varianten und die Kontrolle in den Monaten danach. So bleibt deine Sichtbarkeit beim Markenwechsel erhalten.
FAQ
Häufige Fragen zum Domainumzug.
Brauche ich das Adressänderungs-Tool beim Wechsel auf HTTPS?
Nein. Für den Wechsel von HTTP zu HTTPS und für den Wechsel zwischen www und ohne www auf derselben Domain nutzt du Weiterleitungen und Canonicals, nicht das Tool [4].
Reicht eine Weiterleitung aller alten Seiten auf die neue Startseite?
Nein. Die Startseite muss weiterleiten, Google empfiehlt aber auch 301-Weiterleitungen für die kanonischen Seiten der alten Website auf ihr jeweiliges Gegenstück [4]. Nur so können Signale 1:1 übertragen werden.
Kann ich eine Adressänderung rückgängig machen?
Ja, bis 180 Tage nach dem Einreichen. Dafür entfernst du die Weiterleitungen, leitest von der neuen auf die alte Website zurück und brichst die Anfrage im Tool ab [4].
Quellen
Quellen
- Search Engine Roundtable (Barry Schwartz): „Google Search Showing Sites Old Domain Fourth Months After Domain Move?“, 13. Oktober 2026 – seroundtable.com · abgerufen 14.10.2026.
- Search Engine Journal: „Google Says Why Site Migrations Can Exceed 4 Months“, 13. Oktober 2026 – searchenginejournal.com · abgerufen 14.10.2026.
- Google Search Central: „Website migrieren“ (Websiteverschiebungen und Migrationen), zuletzt aktualisiert 7. April 2026 – developers.google.com · abgerufen 14.10.2026.
- Search Console-Hilfe: „Tool zur Adressänderung“ – support.google.com · abgerufen 14.10.2026.
Alle Quellen am 14. Oktober 2026 abgerufen. Aussagen ohne belastbare Quelle sind im Text als Einschätzung gekennzeichnet; die Ziffern in eckigen Klammern verweisen auf die Nummern dieser Liste.

